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Erstwähler diskutieren mit Kandidaten
Gesprächsrunde im Klettgau-Gymnasium zur Landespolitik
Schülerinnen und Schüler der zwölften und 13. Klassen des Klettgau-Gymansiums Tiengen holten sich gestern Informationen zur Landespolitik aus erster Hand. Die Abgeordneten Peter Straub (CDU) und Alfred Winkler (SPD) sowie Erhard Graunke (FDP) und Ruth Cremer-Ricken (Bündnis 90/Grüne) diskutierten mit den potenziellen Erstwählern. Alle vier treten bei der Landtagswahl am 26. März im Wahlkreis Waldshut an.
Tiengen
VON UTHE MARTIN
Tiengen - Die rund 150 Schülerinnen und Schüler, alle im Erstwähler-Alter, erlebten in der kühlen Aula keine heißen Debatten, dafür wohltemperierte Beiträge der zwei Abgeordneten, der Kandidatin und des Kandidaten zur Landespolitik. Sie interessierten sich vor allem für das Naheliegende: Bildungs- und Hochschulpolitik, Finanzierung des Studiums und Autobahnbau am Hochrhein, fragten engagiert und hakten nach.

Ministerpräsident Günter Oettinger hatte die Vorlage für die erste Frage gegeben: Was halten die Kandidaten vor dem Vorschlag, den Unterricht später beginnen zu lassen? Nicht überzeugend, ließ sich den Antworten entnehmen. Später Schulbeginn bedeutet späterer Schulschluss, zieht eine Reihe von Problemen nach sich. Etwa: Wer sorgt für ein Mittagessen, für Ruheräume, wie kommen die Fahrschüler im ländlichen Bereich mit den langen Tagen zurecht Überhaupt stünde dann das Thema "Ganztagsschule" im Raum. "Inhaltlich nichts dahinter", meinte Alfred Winkler zum Vorschlag des Landesvaters. "Eintagsfliege", kommentierte Erhard Graunke. Und Peter Straub, an die steigende Leistungskurve von Schülern im Lauf des Vormittags erinnert, sagte: "In Finnland, das bei der Pisa-Studie ganz vorn dabei ist, beginnt der Unterricht auch um 8 Uhr."

Wie steht es mit der Position von sozial schwächeren Gruppen im Bildungssystem? wollten die Schüler wissen. Alle vier Kanditaten plädierten für gleichwertige Chancen für alle Schichten der Bevölkerung. "85 Prozent von Akademiker-Kindern erlangen einen Hochschulzugang, bei den sozial schwachen sind es zwölf Prozent", kritisierte Alfred Winkler. Er sprach sich gegen jede Form von Studiengebühren aus. "Ich würde einfach verlangen, dass das Studium finanziert wird", antwortete er auf die Frage einer Schülerin, wie es denn zu einer besseren finanziellen Ausstattung der Universitäten kommen solle. "Die Regierung verteilt das Geld, sie muss die Prioritäten anders setzen. Mit 180 Millionen Euro Einnahmen an Studiengebühren wird gerechnet -50 Millionen Euro gibt die Landesregierung für die Kampagne Wir können alles außer Hochdeutsch' aus!" "Bildung hat für meine Partei Vorrang", erklärte Ruth Cremer-Ricken. Die Grünen wollten die Universitäten für mehr Studenten öffnen. Studiengebühren sollten ihrer Meinung nach erst nach dem Abschluss des Bachelor erhoben werden. Die Chance, sich auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren oder eine Familie zu gründen, sollte nicht von einem Päckchen Schulden erschwert werden.

Peter Straub und Erhard Graunke verwiesen auf den Einsatz des Landes auf dem Bildungssektor: 5500 Lehrer eingestellt, das Niveau der Hochschulen so gehoben, dass sie zu den besten zählen. Allerdings müssten die Universitäten weiter verbessert werden, um beim internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Das sei allein durch weitere Schulden des Landes nicht zu finanzieren. "Wenn wir von Studiengebühren reden, stellt sich die Frage der Gerechtigkeit - Ausbildungen im gewerblichen Bereich sind auch nicht kostenlos." "Ich habe mein Studium mit Schafe Scheren finanziert", warf Erhard Graunke zum Amusement der Schüler ein. "Keiner muss auf ein Studium verzichten", bekräftigte Peter Straub und verwies auf die Möglichkeit, für die Ausbildung einen Kredit aufzunehmen.

Bergtrasse oder Taltrasse? Der künftige Verlauf einer Autobahn im Raum Waldshut interessierte auch die Erstwähler. Die vier Kandidaten waren sich über die Bedeutung der A98 für die Wirtschaft der Region einig. Wo sie verlaufen soll, sei aber Sache der Planer, nicht der Abgeordneten im Stuttgarter Landtag.

"Macht von eurem Wahlrecht Gebrauch", appellierten Diskussionsleiter Axel Knoche und Thomas Weißenborn zum Abschluss an die Schüler. Die hatten zwar noch eine ganze Reihe von Fragen vorbereitet, etwa zum Fluglärm oder zur Föderalismusreform. Doch nach gut eineinhalb Stunden mussten die Kandidaten weiter - der Wahlkampf ist erst am 26. März zu Ende.

Südkurier vom 27.01.2006

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