Eine jämmerliche, liebeskranke Figur - Peter Stamm liest am KGT aus „Wir fliegen“

Schriftsteller Peter Stamm bei seiner Lesung am KGT (Foto: Andrea Mühlbacher)

Am Dienstag, 15. Januar 2013, las der Autor Peter Stamm für ca. 140 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe K1 am Klettgau-Gymnasium aus seinem Erzählband „Wir fliegen“.

Die Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit, eine Lesung des schweizerischen Schriftstellers Peter Stamm zu besuchen, dessen Roman „Agnes“ im Abitur 2014 zu den Sternchenthemen im Fach Deutsch gehört. Eine Tatsache, über die der Autor nicht unglücklich ist, denn „jeder Autor möchte doch, dass seine Texte gelesen werden“ – selbst, wenn dies erzwungenermaßen der Fall sei.

Jugendliche Zuhörer bei der Lesung am 15.01.2013 (Foto: Anna Gromann)

Auch die Erzählung „Die Verletzung“ aus dem Band „Wir fliegen“ behandelt die Themen unglückliche Liebe und Kommunikation; allerdings ist hier nicht die weibliche Hauptfigur „jämmerlich und liebeskrank“ sondern die männliche. Nach der Lesung bot sich erstmals seit Jahrzehnten Schülern die Gelegenheit, den Verfasser „ihrer“ Pflichtlektüre im persönlichen Gespräch zu konfrontieren. „Ist Agnes eine Kunstfigur oder gibt es eine reale Vorlage?“ – „Woher nehmen sie ihre Stoffe?“ – „Warum schreiben sie so oft über die Themen Kälte und Tod?“ – „Weshalb schreiben sie über das Nichtgelingen von menschlichen Beziehungen?“ – „Wie lange dauert die Erstellung eines Romans?“ – „Ist Agnes wirklich tot?“ „Hatten Sie keine Existenzangst, als Sie sich für den Schriftstellerberuf entschieden haben?“

Geduldig nahm sich Peter Stamm Zeit alle Fragen zu beantworten. Natürlich wollten die Schüler auch wissen, ob sich ein Autor all diese Interpretationen, über die man im Deutschunterricht spreche, bewusst ausdenke. So könne man das nicht sagen, entgegnet Stamm schmunzelnd. Diese Frage höre er an jeder Schullesung. Er achte zwar auf seinen Schreibstil. Das Werk gehöre nach Fertigstellung aber auch seinen Lesern, die daraus machten, was sie wollen. So gebe es keine richtige oder falsche Interpretation.

Ein Schüler wartet darauf, dass Peter Stamm sein Werk signiert (Foto: Anna Gromann).

Etliche Schüler ließen sich ihr Buch signieren und äußerten sich positiv zur Veranstaltung. „Kurzweilig“ sei es gewesen, meinte Filipa Sitter. „Sehr interessant – nun kann ich mir ein Bild vom Autor unserer Pflichtlektüre machen“, ergänzte Noelle Barabas. Sebastian Sieracki hofft darauf, dass die Schule eine weitere Lesung organisieren wird. Bei Max Frisch und Georg Büchner dürfte dies allerdings etwas schwieriger werden.

Anna Gromann