Wir fuhren nach Berlin!

Am 18. Februar 2013 fanden sich die Klassen 10A und 10C zu einer ungewöhnlich frühen Uhrzeit am Parkplatz des KGT ein. Wer Schüler dazu bringen möchte um 6.45 an der Schule zu erscheinen, braucht natürlich ein gutes Argument: BERLIN!

Nachdem auch die letzten Lehrer eingetroffen waren, konnte die Fahrt losgehen. Bei elf Stunden Fahrt kann natürlich viel passieren - ist es aber nicht. Der Hauptteil verbrachte die Fahrt schlafend, redend, Musik hörend und, um die Illusion der Lehrer zu wahren, wollen wir hier auch den unglaublich spannenden und informativen Film erwähnen, der selbstverständlich von jedem mit großem Interesse verfolgt wurde. Unser netter Busfahrer Luc (der arme Kerl musste auch noch seinen 50. Geburtstag mit uns verbringen) verpasste es natürlich auch nicht, uns auf Ortsschilder wie das von Poppenhausen oder den Sexshop an der Autobahnraststätte, an der wir unsere Lehrerin aufgabelten, hinzuweisen. Nach elf Stunden Busfahrt wurden im Dunkeln endlich die Lichter Berlins sichtbar und die Begeisterung unsererseits war groß.

Nachdem wir im Hostel A&O nahe des Hauptbahnhofes angekommen sind und die Zimmer verteilt waren, liefen wir zum Bahnhof und nach einer Stunde Freizeit, um etwas zu essen zu organisieren, unternahmen wir einen kleinen, gemütlichen, warmen Stadtspaziergang und kamen gegen 23 Uhr zurück in unsere Zimmer.

Nachdem am nächsten Morgen die ersten Eskapaden überstanden waren (8 Mädchen mussten sich ein Bad teilen, man kann sich vorstellen, dass die Lage kurz davor war, zu eskalieren), trafen wir uns mehr oder weniger pünktlich um 7 Uhr zum Frühstück und weniger pünktlich um 7.45 Uhr am Bundestag.

Hier wurden wir zunächst herumgeführt und durften danach an einem Planspiel teilnehmen. Uns wurden Identitäten und Parteien zugeteilt. Manche erkannten sich hier teilweise wieder (25 Jahre, bei den Grünen, Freund in Freiburg) und manche eher nicht (65 Jahre, CDU, 4 Kinder). Unser zugeteiltes Thema lautete: Sollte nach vergangenen Eskalationen aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums Minderjähriger Alkohol unter 18 Jahren verboten werden?
Nachdem unsere Fraktionssitzungen abgehalten waren, Fraktions- und Ausschussvorsitzende gefunden und die Abgeordneten den Ausschüssen zugeteilt waren, sowohl die Parteien als auch die Ausschüsse sich ihrer Meinung sicher waren und Reden geschrieben waren, wurde die endgültige Entscheidung bekannt gegeben: Alkohol unter 18 Jahre wird weiterhin erlaubt sein. Um 14 Uhr bekamen wir im Bundestag sogar ein Essen spendiert.

Nachdem wir das Reichstagsgebäude verlassen hatten, stand die Stadtrundfahrt auf dem Plan. Sie fand nicht statt, zumindest nicht in dieser Form. Stattdessen gingen wir zu Fuß drei Stunden durch Berlin, wobei sich unsere Klassen in drei Gruppen aufteilten, die sich mit zwei verschiedenen Themen beschäftigten: Faschismus und Preussen, Politik, Paläste.

Die Abendgestaltung war jedem selbst überlassen, Freiwillige durften sich drei Lehrern anschließen und ins Improvisations-Theater gehen. Absolut empfehlenswert und für viele das Highlight Berlins!

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen besuchten wir das Verteidigungsministerium, das vor allem die Mädchen sehr ansprach, was natürlich rein gar nichts mit der Attraktivität uniformierter Männer, sondern vielmehr mit dem informativen Vortrag über den Bendlerblock zu tun hatte. Damit verbunden waren auch der Gang zum Denkmal gefallener Soldaten und ein Film über die Bundeswehr. Von manchen wurde dieser Teil des Programms als leicht manipulativ empfunden, andere haben sich danach entschieden zum Bund zu gehen (Merken Sie was?!). In der Pause durften wir auf Kosten der Steuergelder Kaffee und Cola trinken. Das Koffein hatten einige auch dringend nötig. Außerdem wurden zur Freude aller Schüler am Ende noch McDonald’s-Gutscheine verteilt.

Nach etwas Freizeit, die von den meisten shoppend in den Arkaden verbracht wurde, gingen wir zum Bundeskanzleramt. Am Anfang schauten wir uns ein Video über die Woche von Angela Merkel an und daraufhin wurden die beiden Klassen voneinander getrennt und im Kanzleramt herumgeführt. Wir bewunderten die Architektur, die Gemälde der vergangenen Bundeskanzler, den Kabinettssaal und die Unfreundlichkeit der Security.

Auch hiernach bekamen wir ein paar Stündchen Freiheit geschenkt und durften uns bis ca 19 Uhr unsere Beschäftigungen selbst aussuchen, sofern wir mit mindestens vier Leuten unterwegs waren. Am Abend besuchten wir das Theaterstück „Nathan der Weise“ von Lessing. Statt unseren kulturellen Horizont zu erweitern, nutzten die meisten von uns diesen Abend eher dazu, Schlaf zu tanken, um auch die folgenden Tage gut zu überstehen.

Am nächsten Tag, der ein Donnerstag war, gingen die beiden Klassen erneut getrennte Wege. Während die 10A schon um 8.40 Uhr am Bundesrat erscheinen musste, hatte die 10C noch bis 10.53 Uhr Zeit. Erneut wurde ein Planspiel durchgeführt, für das wir uns eigenständig ein Thema überlegen sollten. Die eine Gruppe verhandelte schließlich über ein einheitliches Schulsystem aller Länder und G9 (durchgesetzt!), die andere Gruppe über Führerschein ab 16 (gescheitert!). Um 14.30 Uhr fanden wir uns an der ehemaligen STASI-Zentrale ein, wo uns ein Zeitzeuge, der zur Belustigung aller Schüler Rammstein kannte und allgemein die gesamte Führung sehr interessant und lustig gestaltete, uns den Ernst der Lage aber dennoch gut nahegebracht hat.

Nach erneuter kurzer Freizeit kam das Ereignis, auf das sich viele Schüler am meisten gefreut hatten: Die Schülerdisco im Club „Matrix“. Einige hatten schon von ihr durch ältere Schüler gehört, andere durch „Berlin Tag & Nacht“. Über 16-Jährige durften ein Bier trinken und der Rest bewies, dass gute Laune auch ohne Alkohol möglich ist. Um 23 Uhr traten wir die Fahrt zurück ins Hostel an. Der Abend war kurz, aber lustig.

Um 11 Uhr am nächsten Tag war Treffpunkt am jüdischen Museum, es gab drei verschiedene Führungen, zwischen denen man sich entscheiden konnte. Danach wurden wir wieder für einige Stunden alleine auf Berlin losgelassen und am Abend fand unser gemeinsames Abschlussessen im Restaurant „The Sixties“ statt. Das Essen war gut, die Stimmung noch besser und so konnten wir unseren letzten Abend in vollen Zügen genießen.

Die Rückfahrt am nächsten Tag verlief ruhig und dass wir eine Stunde im Stau standen, merkten die meisten nicht einmal, da sie aufgrund mindestens einer durchgemachten Nacht die Busfahrt über schliefen. Um 16.30 Uhr waren wir zurück in Tiengen und konnten zurückblicken auf eine schöne, gut geplant und organisierte Berlinfahrt und wollen uns hierfür noch einmal bei unseren Lehrern bedanken.

Lisa Fritz (10a) und  Eileen Fischer (10c)