Schulbesuch vom Landtag - Landtags-Vize besucht das KGT

Das „grüne Klassenzimmer“, eine Aktion, die im Rahmen des Projektunterrichts erfolgte, bildete beim „Schulbesuch vom Landtag“ die letzte Station des Rundgangs mit Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler. Das Angebot bei Arbeitsgemeinschaften und Projektunterricht muss die Schule im neuen Schuljahr fast ganz zurückfahren. (Foto: Gerhard Behnke)

„Schulbesuch vom Landtag“ bekam vergangene Woche der Neigungskurs Gemeinschaftskunde am Klettgau-Gymnasium Tiengen in Person von Wolfgang Drexler, Vizepräsident des Landtags Baden-Württemberg. Seit vergangenem Jahr bietet das dreiköpfige Landtagspräsidium in Stuttgart diese Schulaktion an, die eine sehr große Resonanz gefunden hat. Im Mittelpunkt des Schülergesprächs standen aktuelle Verkehrsprobleme am Hochrhein sowie die Lehrerversorgung am Klettgau-Gymnasium.

„Doppelstunde mit doppeltem Nutzen“ ist die Aktion überschrieben: Der Landtag will damit das Interesse von Jugendlichen für Politik und an der parlamentarischen Demokratie wecken und stärken. Die Resonanz habe überrascht, so Drexler zu Beginn des Schülergesprächs. Der Terminkalender von Landtagspräsident Guido Wolf sowie seinen beiden Stellvertretern, Brigitte Lösch und Wolfgang Drexler, sei mit 120 Terminanfragen aus allen Schulbereichen inzwischen dick gefüllt.

Drexler informierte die Runde zunächst über die Funktion und Aufgaben des Landtagspräsidiums. „Was kostet die Demokratie pro Kopf in Baden-Württemberg?“ lautete eine Schätzfrage an die Schüler. „6 Euro oder etwas launig ausgedrückt: Eine Currywurst mit Pommes“, so die Antwort des SPD-Abgeordneten. Der Landtag in Baden-Württemberg mit seinem 10,5 Millionen Einwohnern sei damit einer der günstigsten Landtage in Deutschland. Drexler appellierte in der Runde an die Jugendlichen sich in den politischen Dialog einzubringen und von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Nur 17 % der Erstwähler haben an der letzten Wahl teilgenommen“, so der 67-jährige Politiker. Da man bei der nächsten Kommunalwahl bereits mit 16 Jahren Wählen gehen könne, sei dies für junge Menschen eine optimale Gelegenheit, Politik vor Ort aktiv mitzugestalten.

Ein erster Themenblock, den die Schüler im Gemeinschaftskundeunterricht der Lehrerin Anna Hirt vorbereitet hatten, bezog sich auf die schwierige Situation des öffentlichen Personennahverkehrs am Hochrhein. Drexler betonte, dass eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur mit Schiene und Bus bei einer älter werden Generation immer wichtiger werde. „Heute sind zwei Prozent der Bevölkerung in Baden-Württemberg älter als 80 Jahre, im Jahr 2050 werden es 12 Prozent sein!“ Mit Blick auf die dafür nötigen Investitionen sieht der Landtagsvizepräsident die Bahn und auch den Bund in einer besonderen Pflicht. Immerhin plane die Bahn in Ergänzung zu den Milliardeninvestitionen bei „Stuttgart 21“ mit weiteren Ausgaben von zwei bis drei Milliarden in das Schienennetz. Die Elektrifizierung der Hochrheinbahn sei besonders wichtig. Er bedauerte aber die zögerliche Haltung der Schweizer Politik, sich an den Kosten zu beteiligen. Die Schweiz müsse ihren Beitrag leisten, dies sei in guter Partnerschaft zu regeln, so Drexler. Eine Verknüpfung mit dem Flugabkommen dürfe es dabei aber nicht geben.

Was die Infrastruktur von Bundesstraßen und geplanten Ortsumfahrungen angeht, sieht der Landtagsvizepräsident die Situation am Hochrhein als „strukturell unterfinanziert“. Es werde in den nächsten 30 Jahren weiter schwierig bleiben, Infrastrukturverbesserungen zu erreichen. Überraschte zeigte sich Wolfgang Drexler in der weiteren Diskussion von den Problemen bei der Unterrichtsversorgung am Klettgau-Gymnasium. Eigentlich sei die Situation an den Gymnasien „doch ziemlich entspannt“, meinte der SPD-Politiker. 600 bis 700 Schulstunden seien im laufenden Schuljahr bereits ausgefallen, korrigierte ein Schüler. Die schlechte Unterrichtsversorgung habe nun dazu geführt, dass das KGT das Angebot bei den Arbeitsgemeinschaften im kommenden Schuljahr drastisch einschränken müsse, um den Pflichtunterricht abzudecken. Durch ihre Lage im ländlichen
Raum seien die Gymnasien am Hochrhein für Lehrer nicht unbedingt attraktiv, lautete das Fazit der Diskussion. Nach Meinung des Landtagsvizepräsidenten könne ein Lösungsansatz darin bestehen, dass die Lehrerversorgung dezentraler erfolgt und dadurch die Schulen größeren Handlungsspielraum haben: „Warum sollen die Schulen nicht ein größeres Budget für die Lehrereinstellung selber verwalten und die Unterrichtsversorgung dadurch eigenverantwortlich regeln.“ Drexler sicherte zu, hinsichtlich Lehrerversorgung am KGT noch einmal in Stuttgart nachzufragen.

Zum Abschluss des Besuchs führten die Schüler den Landtagsvizepräsidenten durch die Schule und über das Schulgelände. Sie erläuterten dabei die zahlreichen Aktivitäten, die in den vergangenen Jahren unter anderem im Rahmen des Projektunterrichts und der Arbeitsgemeinschaften erfolgten.

Künftig, so das Fazit, seien solche Vorhaben aufgrund der angespannten Personalsituation am KGT
leider nicht mehr möglich.

Text und Fotos: Gerhard Behnke

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