Exkursion im Fach Geschichte zum Konzentrationslager Natzweiler-Struthof

Vor zwei Jahren beschloss die Geschichtsfachschaft den Besuch eines Konzentrationslagers von der Kursstufe 1 in die Klasse 9 zu verlegen.

Im Anschluss an die Behandlung des Themas Nationalsozialismus und II. Weltkrieg unternahmen deshalb in der ersten Juniwoche die neunten Klassen mit ihren Geschichtslehrerinnen eine Exkursion zum Konzentrationslager Natzweiler-Struthof.

Für solch einen Besuch sprechen viele Gründe. Zwei sollen hier angeführt werden:

Der Besuch einer KZ Gedenkstätte ist der Geschichtsfachschaft besonders wichtig, weil  "Theorie und Unterricht […] die eine Sache, das konkrete Erleben vor Ort, die plastische Anschauung die andere" sind (Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster). „Ein ehemaliges Konzentrationslager zu besuchen sollte für alle jungen Leute Pflicht sein.“ (Peter Lautzas vom Deutschen Geschichtslehrerverband) Denn die Erfahrungen an historischen Lernorten helfen, die Inhalte des Geschichtsunterrichts besser zu vermitteln und die Schüler auch emotional zu berühren.

Schülerinnen der Klasse 9a und 9b schrieben in Nachbereitung der Exkursion ihre Gedanken und Gefühle nieder.

KZ Natzweiler-Struthof  (Eva, 9a)

Am 2. Juni besuchten wir das KZ-Natzweiler im Elsass. Ich versuchte mir immer wieder vorzustellen, wie es sich anfühlt, hier gefangen zu sein und so menschenunwürdig zu leben. Doch es wollte mir einfach nicht gelingen. Es sind dort so schreckliche Sachen passiert, bei denen ich immer dachte, dazu können Menschen nicht fähig sein. Ich bin fassungslos und entsetzt von dem, was ich dort erfahren habe. Ich werde diesen Ausflug in Erinnerung behalten, damit das Schicksal der Menschen nicht in Vergessenheit gerät.

Der Ausflug in das Konzentrationslager Natzweiler Struthof - meine Gedanken und Gefühle (Merve, 9b)

Am Tag des Ausfluges war ich zunächst sehr aufgeregt, denn ich wusste nicht, was auf mich zukommen würde. Im Bus schauten wir uns einen Film über den Nationalsozialismus an, der den Namen „Der Junge im gestreiften Pyjama“ trug. Dies bereitete uns allen eine traurige Stimmung.

Als wir nach ungefähr drei Stunden Busfahrt ankamen, schauten wir uns als erstes ein Museum an, in dem originale Briefe zu sehen waren. Zudem bekamen wir fotografierte Leichen zu Gesicht. Sie waren abgemagert und entkleidet. Dieser Anblick ließ mir einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen und jagte mir eine Gänsehaut ein. Sofort entschloss ich mich wegzuschauen, und hielt ich mir meine Hand übers Gesicht, da es sehr unangenehm für mich war.

Außerdem konnte man ein Bild von dem Konzentrationslager sehen. Das Foto musste in der Zeit des Nationalsozialismus geschossen worden sein. Das bemerkte ich daran, dass das Bild schwarz-weiß war und viele Baracken auf dem Bild noch vorhanden waren. Auf dem eingerahmten Bild konnte man die vielen Baracken erkennen, die strukturiert abgebildet waren. Kurz darauf zeigte uns Frau Mempel (unsere Geschichtslehrerin) den Ort, an dem die Opfer der Nationalsozialisten erhängt wurden. Dies bereitete mir ein eigenartiges Gefühl, da ich so etwas zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Einer meiner Mitschüler stellte die Frage, ob das Gerät, auf dem sie hingerichtet worden waren, noch original sei, jedoch teilte uns Frau Mempel mit, dass das Gerät nachgebaut ist, der Ort aber derselbe sei.

Dort wurde uns erzählt, dass die Opfer im Winter bei -14 °C herausgebracht und ihnen jede Stunde ein Kleidungsstück weggenommen wurde. Ich konnte dieses sadistische Verhalten nicht verstehen und stellte mir zu oft die Frage, warum Menschen so sein konnten. Ja, einfach nur diese Frage, warum ein Volk so gequält und gehasst wurde. Ich meine, man kann ja nicht alle Menschen über einen Kamm scheren und den Menschen aufgrund seiner Nationalität und Religion in die Kategorie "gut" oder "böse" einordnen. Ich denke, dass kein Mensch, wirklich kein Mensch auf dieser Welt es verdient hat, so behandelt zu werden. Auch wenn schwere Straftaten begangen wurden, kann man das auf eine gerechte, aber auf eine menschliche Art und Weise lösen. Keiner hat das Recht einem anderen Menschen das Leben zu nehmen! Immer wieder gingen mir Sätze wie diese durch den Kopf.

Später sahen wir uns eine Baracke an, in der die Gefangenen festgehalten wurden. Die Räume waren gerade mal 10 Quadratmeter groß. Kleiner als mein Zimmer. Die Türen waren aus Metall, so dass man sie nicht aufbrechen konnte. Jeder dieser Türen hatte ein kleines Loch, wodurch die Nazis wohl die Gefangenen beobachtet hatten. In diesen Zimmern wurden sie gequält, gedemütigt und verhungerten. Als sich alle umgeschaut hatten, versammelten sich alle vor der Baracke und Frau Mempel begann eine Art Tagebuch eines betroffenen Opfers vorzulesen. Ich kann mich noch erinnern, dass ein Mann mit 90 kg Körpergewicht nach wenigen Wochen auf 40 kg gesunken war. Meine Freundinnen und ich konnten das fast gar nicht glauben und wir stellten uns vor, wie viel an Nahrung man ihnen gegeben hatte, dass sie so abmagerten. Als Frau Mempel fertig mit dem Lesen war, sahen wir uns meiner Meinung nach das schlimmste und herzzerreißendste Gebäude an. Das Krematorium. Immer habe ich ein eigenartiges Gefühl im Bauch, wenn ich das Bild in meinem Kopf verwirkliche. Mir fiel es schwer, den Verbrennungsofen mit dem Gedanken zu betrachten, dass dort einmal, Menschen verbrannt wurden, und kein Brennholz, was man ja eigentlich verbrennt. Ich wollte mir nicht vorstellen, wie sehr sie darunter gelitten haben mussten, da das ein verletzendes und trauriges Gefühl ist. Das seltsame Gefühl wollte sich nicht von mir entfernen. Ich bemerkte, dass ich nicht die Einzige war, die so fühlte. Denn ich unterhielt mich mit meiner Freundin darüber. Sie fühlte dasselbe. Wir stellten uns gegenseitig die Frage, wie man mehreren tausend Menschen solche grauenvollen Taten nur antun konnte. Ich glaube, ich werde eine Zeit lang nicht über diese Gedanken hinwegkommen.

Mein Fazit zu dem Thema ist, dass kein Mensch aufgrund seiner Nationalität, Religion, Hautfarbe, Kleidung, anderen Denkweise, seines Aussehens oder seiner Behinderung ausgeschlossen, anders behandelt, gedemütigt, beleidigt, gekränkt oder gehasst werden sollte. Wir alle sind Menschen. Wir alle machen Fehler, aber das ist noch lange kein Grund dafür den Menschen das Herz zu brechen, sondern das auf einer ruhigen und sanften Weise zu lösen, indem man sich gegenseitig zuhört und respektvoll miteinander umgeht.

 

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