Das Sozialpraktikum am KGT

Seinem Schulkonzept entsprechend sieht das Klettgau-Gymnasium Tiengen als allgemeinbildende Schule neben der Vermittlung schulfachlicher Inhalte seine Aufgabe auch darin, zusammen mit den Eltern die Schüler auf einen sensiblen Umgang mit dem unmittelbaren sozialen Umfeld einzustellen.

Während z.B. biographische oder Interessens-Unterschiede von Mitschülern oft ins Unterrichtsgeschehen integriert werden können, ist es gegen Ende der Mittelstufe, wenn sich die Jugendlichen ihre Identität in einer immer weitläufigeren Umgebung suchen sollen, notwendig, das soziale Umfeld außerhalb der Schule kennenzulernen und mit Umgangsmöglichkeiten bekannt zu werden.

Hierfür richtete das KGT beginnend mit dem Schuljahr 2005/2006 das von StR Markus Hutterer initiierte und organisierte Sozialpraktikum ein. Für dieses Projekt ist jedes Mitglied der neunten Klassen eine Woche lang nicht in der Schule, sondern in einer Einrichtung seiner Wahl tätig, die sich um sogenannte sozial schwächere Menschen kümmert oder sich für den Erhalt von Naturräumen einsetzt.

Voraussetzungen und Durchführung

Dieses Projekt bedarf nicht nur bei den Organisierenden, sondern auch bei den Teilnehmenden einer langen und gründlichen Vorbereitungszeit, denn die betroffenen Schüler haben große Freiheiten bei der Wahl ihrer sozialen Aufgabe. Die Neuntklässler reagieren verständlicherweise nicht gerade euphorisch bei der Ankündigung dieses Vorhabens, sondern eher mit gemischten Gefühlen, welche sich aus Unsicherheit und großem Interesse gegenüber einer bevorstehenden neuen, verantwortungsvollen Aufgabe zusammensetzen. So sind gute Voraussetzungen gegeben für das Miteinander von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen, weil sich die Beteiligten ohne Zeitdruck und mit Bedacht aufeinander einstellen können.

Die Beteiligten sind freilich nicht nur die Schüler, sondern auch ihr Gegenüber, die vielen Einrichtungen und ihre Mitarbeiter, die sich bislang bereit erklärten, zusätzlich zu einem arbeitsaufwändigen Alltag Praktikanten für eine Woche zu betreuen, und sie herzlich aufnahmen. Die Verantwortlichen des Sozialpraktikums sind allen sehr dankbar für die große Bereitschaft, den Jugendlichen des KGT einen Einblick in ihre Arbeit zu bieten. Ein großer Dank gilt auch dem Kollegium am KGT sowie den Eltern, wo die Projektidee von Anfang an auf große Zustimmung stieß.

Erwartungsgemäß gibt es bei rund 140 Praktikumseinsätzen sowohl positive als auch zunächst als negativ bewertete Überraschungen während der Praktikumszeit. Für alle Fälle stehen die Verantwortlichen des Sozialpraktikums zur Verfügung, um bei Konfliktfällen schnell zu vermitteln oder aber einfach Ansprechpersonen für solche zu werden, die ihr Glück über erfreuliche Erlebnisse mit anderen teilen wollen.

Erfahrungen sammeln und rückmelden

Für die Zeit während ihres Praktikumseinsatzes ist jede teilnehmende Person aufgefordert, sämtliche Eindrücke in einem ganz privaten Tagebuch festzuhalten, um die Grundlage für einen persönlichen Beitrag im Rahmen einer Präsentation vor allem für die Acht-Klässler zu schaffen. Während dieser Veranstaltung berichten die Neuntklässler über ihre Eindrücke und Erlebnisse. Dies findet im ersten Obergeschoss des E-baus statt, wo jede Schülerin und jeder Schüler in einem Klassenzimmer den Raum und das Umfeld bekommt, in Ruhe über all die Erfahrungen zu berichten. Von kleinen Spielen über sachliche Berichte, Poster bis hin zu Powerpoint-Präsentationen erdachten sich die Schüler bislang die vielfältigsten Arten, sich einander und der Schulöffentlichkeit, insbesondere ihren Nachfolgern aus den achten Klassen, und den besuchten Praktikumseinrichtungen mitzuteilen, und stellten bei ihren Darstellungen ihren sehr einfühlsamen Umgang mit den sozialen Gruppen, mit denen sie in Kontakt getreten waren, unter Beweis.

Zudem zeigen die Rückmeldungen, dass vereinzelt sogar konkrete Zukunftsperspektiven geschaffen wurden: Für einzelne Teilnehmende eröffnete sich mit diesem Praktikum die Möglichkeit einer künftigen Ferienjob-Tätigkeit oder einem späteren FSJ. So zeichnete sich von Beginn an, ein weiterer wichtiger Baustein für die Persönlichkeitsfindung beim Erwachsenwerden im Rahmen der allgemeinbildenden Erziehung, ab.

Fazit der bisherigen Sozialpraktika

Die bisher durchgeführten Sozialpraktika am KGT haben den Beteiligten gezeigt:

  • dass man oftmals Hemmungen hat, sich dem sozialen Umfeld zu öffnen. Diese Hemmungen jedoch in gemeinsamen sozialen Aktionen leichter abgebaut werden.
  • dass man zu zwischenmenschlichen Erfolgserlebnissen gelangt:
    • zu der Überzeugung, von scheinbar „ganz anderen Menschen" als Persönlichkeit akzeptiert zu werden,
    • und zu der Fähigkeit, Menschen aus dem zunächst weniger vertrauten Umfeld als Persönlichkeiten zu akzeptieren
  • sowie schließlich zu der Erkenntnis, dass man sein Umfeld eben doch nur wirklich kennen und schätzen lernt, wenn man sich darauf einlässt, sich intensiv und von Anfang an respektvoll mit ihm beschäftigt.

Da das Sozialpraktikum seit seinem Einführungsjahr als wichtiger Baustein des KGT-Gesamtkonzeptes bewährt hat, beschloss man seine Fortführung und Weiterentwicklung in den Folgejahren.

Schlussfolgerungen für die Durchführung

Bereits in der Einführung des Sozialpraktikums wurden Grundlagen geschaffen, auf denen leichte Modifikationen für die Folgejahre eingearbeitet werden können:

So zeigte sich, dass die Präsentationen der Schüler zu ihren Praktikumserfahrungen schon im Einführungsschuljahr derart bedacht und mit großer Sorgfalt ausgearbeitet worden waren, dass sich das Team Sozialpraktikum entschloss, die Präsentation im Wert einer Klassenarbeitsnote für das Fach Religion bzw. Ethik angemessen zu honorieren. Im Einvernehmen mit den Fachschaften Religion und Ethik wird vom Team Sozialpraktikum ein Notenvorschlag den Fachlehrkräften in Religion/Ethik eingereicht.

Die aufwändigste Aufgabe für das Team Sozialpraktikum bestand bislang in der Erstvermittlung der Praktikumsplätze. Der Grund hierfür lag in der Absicht, zum einen die Angebotslage an Praktikumsplätzen im Einzugsbereich des KGT ermitteln zu können, zum anderen den in Bewerbungen noch ungeübten jungen Schülerinnen und Schülern bei der ersten Kontaktaufnahme behilflich zu sein. Nach den ersten beiden Sozialpraktika hat sich herausgestellt, dass - entgegen vereinzelten skeptischen Einstellungen bezüglich seiner Realisierung außerhalb von Ballungsräumen - das Sozialpraktikum auch in der Peripherie mit genügend passenden Einrichtungen sogar für mehrere Schulen (die Realschule Tiengen hat unabhängig vom KGT eine vergleichbare Veranstaltung eingerichtet) versorgt werden kann.

Zudem hat das Team Sozialpraktikum mittlerweile eine Liste von Praktikumseinrichtungen, mit denen gute Erfahrungen gemacht worden sind. In der Hoffnung, auf diese Einrichtungen wieder zurückgreifen zu können, wird die Stellensuche künftig zunächst einmal den Schülerinnen und Schülern überlassen. Tipps für die Kontaktaufnahme mit den Praktikumseinrichtungen erhalten sie von den Verantwortlichen des Sozialpraktikums, auch bei individuellen Fragen sind diese zuständig.

(Quelle: Schulportfolio)