Das Fach Latein stellt sich vor - Latein in der Kursstufe

Latein – mehr als nur eine gute Alternative

Die Kurswahl steht an. Jan muss sich entscheiden. Er möchte gerne zwei Fremdsprachen weiterhin belegen, weiß aber nicht so recht, ob Latein das Richtige für ihn ist. Gina aus seiner Klasse findet Latein völlig überflüssig, und das, obwohl sogar ihr großer Bruder Marcus gerade sein Lateinabitur hinter sich gebracht hat – mit 14 Punkten! Sicherheitshalber unterhält sich Jan mit beiden. - Ein Plädoyer für Latein vom ABI-Lateinkurs 2010

Kurswahlgespräch

Gina: Latein? Du spinnst wohl! Latein ist doch ’ne tote Sprache. Das bringt doch nix!

Jan: Naja, die letzten Themen fand ich eigentlich ganz interessant. Außerdem hab’ ich gehört, dass man in der Oberstufe gar keine Grammatik mehr lernen muss. Stimmt das, Marcus? Du hast es doch gerade hinter dir.

Marcus: So ganz stimmt das mit der Grammatik nicht. Wir haben zwar einiges wiederholt und vertieft, aber tatsächlich nichts Neues mehr gelernt. Das war kein großer Aufwand mehr.
Überhaupt geht’s in der Oberstufe gar nicht mehr so sehr um Grammatik. Und auch nicht mehr um stupides Übersetzen.
Was die Themen anbelangt, kannst du dich auf die Oberstufe freuen: Wir haben uns mit dem antiken Staatsverständnis beschäftigt, Gedichte gelesen, viel über das tägliche Leben in der Antike erfahren und jede Menge philosophiert.

Gina: So’n Quatsch. Dafür braucht man kein Latein. Dafür gibt es doch Geschichte, Gemeinschaftskunde, Religion und Deutsch. Reicht das nicht? Da ist das alles eh kompliziert genug. Auf Lateinisch versteht man dann ja gar nichts mehr.

Marcus: Jetzt mach mal halblang, Gina. Für was gibt’s denn Lehrer. Da lernt man alles der Reihe nach. Ich hab’s ja schließlich auch geblickt! Aber mal ernsthaft, Jan: Aus Latein kannst du viel mitnehmen!
Wir haben viel mit zweisprachigen Texten gearbeitet – ja, da staunst du, Gina, gell?! Detailarbeit und Übersetzungsvergleiche trainieren dein Sprachgefühl echt wie kein anderes Fach. Das nützt dir dann auch in allen anderen Fächern. Man lernt, bei jedem Satz genau hinzuschauen, logische Verknüpfungen richtig zu verwenden, Stilmittel sinnvoll einzusetzen, einfach den Gehalt eines Textes auf Herz und Nieren zu überprüfen. Das hilft dir echt überall.

Gina: Das haben wir doch alles jetzt schon gemacht.

Jan: Gina, erzähl mir doch nicht, du hättest da jetzt den vollen Durchblick! Wenn ich ehrlich bin, kenne ich bis jetzt zwar jede Menge Begriffe, aber wirklich etwas damit anfangen kann ich nicht.

Marcus: Das ging uns damals ganz genauso. Das liegt daran, dass man oft am Anfang Grammatik, Inhalt und Stil getrennt anschaut. Aber in der Kursstufe kriegst du dann den Überblick, weil da alles mit allem verbunden wird. Da versteht man auf einmal von den Texten viel mehr!

Gina: Aber das gleiche passiert doch auch in allen anderen Sprachen! Mit Englisch, Französisch oder Spanisch ist man doch viel besser dran: diese Sprachen kann man wenigstens noch verwenden! Und es gibt viel weniger Vokabeln zu lernen.

Marcus: Vokabeln muss man eigentlich nicht mehr lernen als in anderen Sprachen, eher weniger: Immerhin darf man sogar im Abi noch ein Wörterbuch verwenden – ein zweisprachiges! Und die Vokabeln, die du kennen musst, haben sogar noch einen doppelten Nutzen. Sie helfen dir auch im alltäglichen Leben, um Fachbegriffe abzuleiten, nicht nur im Medizinstudium.
Zudem lernt man andere europäische Sprachen später sehr leicht, da sie aus dem Lateinischen entsprungen sind. Man legt sozusagen die Grundlage für ein breites Sprachverständnis.

Jan: Mit anderen modernen Fremdsprachen hat man diesen Vorteil doch ebenso. So ganz überzeugt mich das noch nicht!

Marcus: Aber Latein ist das einzige Fach, in dem man erweiterten  Zugang zu antiken Themen findet, was unsere eigene Vorgeschichte betrifft. Immerhin haben die Römer Europa nicht unwesentlich geprägt. So kann man im Lateinunterricht ein unglaublich gutes Allgemeinwissen erlangen.

Jan: Das klingt ja wirklich interessant, aber die Lateinkurse sind doch auch immer sehr klein: Da muss man doch sicherlich viel lernen und steht dauernd unter Druck!

Marcus: Nun ja, die Kurse sind schon klein, aber das schafft auch eine gute Atmosphäre, in der man hervorragend arbeiten kann. Das Lernpensum ist aber gerade vor dem Abitur vergleichsweise gering. Mal ganz unter uns: Ich habe in Latein von allen Fächern am wenigsten für das schriftliche Abitur vorbereiten müssen – man sammelt sich das Wissen schon vorher in den zwei Jahren an und hat dann unmittelbar vor der Prüfung mehr Zeit für alle anderen Fächer. Abgesehen davon – du willst doch eh zwei Fremdsprachen belegen. Wenn du Latein als zweite nimmst, hast du beides: den direkten Gegenwartsbezug und die Vorteile der alten Sprache und so ganz nebenbei die Möglichkeit ein vergleichsweise angenehmes Abi zu machen.

Gina: Also – für mich ist das trotzdem nix.

Marcus: Das ist ja auch in Ordnung. Es passt halt nicht für alle. Aber schließlich hat mich Jan gefragt, nicht du! Also sei jetzt ruhig!

Jan: Ich muss sagen, deine Argumente sind wirklich gut. Tut mir Leid, Gina, aber mich überzeugt das! Ich glaub’, ich mach’s!

Marcus: Glaub’ mir, du wirst es nicht bereuen.

Jan: q.e.d. – quod erat demonstrandum – äh nee, in Bezug auf mich muss es wohl eher erit heißen, oder?

Marcus: (lacht) Siehst du, so ganz schlecht sind deine Voraussetzungen wirklich nicht!

Liebe 10er,

wir haben gerade unser Latein-Abitur hinter uns gebracht und sind ein bisschen traurig darüber, dass so wenige sich für Latein entscheiden. Im Nachhinein haben auch manche aus unserem Jahrgang gesagt: „Hätten wir’s doch nur…!“ Natürlich muss man ein bisschen Freude an Latein mitbringen wie bei allem. Wir wenden uns deshalb vor allem an die von euch, die noch schwanken und nicht so recht wissen, ob Latein das Richtige ist. Unser Tipp: Macht’s einfach. Es lohnt sich! Wir würden uns freuen, wenn auch in Zukunft am KGT immer ein Lateinkurs zustande käme.
Herzliche Grüße!

Eure Latein-Abis
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